Die Ziele der Forschergruppe EuroCom

 

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Europäische Interkomprehension

EuroCom® steht für EuroComprehension, ein Akronym für Europäische Interkomprehension in den drei großen Sprachengruppen Europas, der romanischen, slavischen und germa-nischen.
Das Konzept EuroCom beruht auf sich gegenseitig bedingenden sprachpolitischen, sprachdidaktischen und linguistischen Dimensionen. Die sprachpolitische Dimension, europäische Mehrsprachigkeit modular zu er-reichen, beeinflusst dabei die sprach-didaktischen Konzepte (Vermittlung rezeptiver Kompetenz durch interlinguale Transferbasen) und benötigt zur Umsetzung linguistische Grundlagenforschung, um Verwandtschafts-beziehungen in Sprachgruppen nutzbar zu machen.

EU-Perspektiven der Mehrsprachigkeit

Eine Europäische Mehrsprachigkeit soll nach den Absichtserklärungen der Europäischen Kommission (1995, 1997) drei Perspektiven aufweisen:
1. Eine differenzierte Betrachtung von Kompetenzen und damit die Unterstützung der Entwicklung rezeptiver Mehrsprachigkeit.
2. Die Realisierung des gezielten Erwerbs von Teilkompetenzen mit modularen Aufbau-möglichkeiten (z.B. fachsprachlicher modularer approach zur rezeptiven Lesekompetenz).
3. Die kognitive Nutzung von Verwandt-schaftsbeziehungen zwischen Sprachen (u.a. durch die romanische, slavische, gemanische Interkomprehensionsforschung).

Bisherige Forschungsleistungen

An diesen Desideraten orientiert hat die Forschergruppe EuroCom, zunächst ausgehend von der Frankfurter Romanistik (Klein und Stegmann), einen Sprachver-mittlungsansatz zum Erreichen einer rezeptiven Kompetenz in allen romanischen Sprachen entwickelt, der mittlerweile schon mit einigen Tausend studentischen Testpersonen an den Universitäten Frankfurt, Wuppertal, Innsbruck, Tarragona, Girona, Barcelona, Montpellier evaluiert wurde.
Bereits vor dem Erscheinen des ersten deutschsprachigen Referenzwerks zur romanischen Interkomprehension (Klein/ Steg-mann 2000) hat sich die Notwendigkeit erwiesen, das Konzept didaktisch zu im-plementieren, es auf die anderen beiden großen Sprachengruppen Europas, die slawische und die germanische Gruppe, auszudehnen und eine Umsetzung auf interaktive Medien anzustreben. Auf dem von der FernUniversität Hagen organisierten Workshop "Wege zur Mehrsprachigkeit im Fernstudium" erweiterte sich die Forscher-gruppe EuroCom u.a. um Fachvertreter aus der romanistischen Didaktik, der Slawistik, der Angewandten Sprachwissenschaft / Germa-nistik, der interkulturellen Mehrsprachigkeit und der praktischen Informatik.

Adaptationen

Adaptationen für die slawische Sprachengruppe sowie Adaptationen von EuroComRom für zehn verschiedene Ausgangssprachen sind in Zusammenarbeit mit anderen Universitäten in Arbeit. Die französische, englische, italie-nische, katalanische, spanische, portugie-sische, rumänische und polnische Adaptation ist bereits bis 2004 erschienen. Eine russische, griechische, galicische und nieder-ländische Fassung ist in Vorbereitung. Das Grundlagenwerk für EuroComSlav erscheint 2005, zunächst in elektronischer Fassung. Dasselbe gilt für EuroComGerm.

CD-Fassungen

Eine interaktive CD auf der Grundlage der Methode EuroCom wurde mit Geldern aus NRW in Zusammenarbeit mit der FernUniHagen und der Universität Wuppertal produziert und ist zum Europäischen Sprachenjahr 2001 erschienen.
In der Zwischenzeit sind unter der Leitung von H.G.Klein, Universität Frankfurt, für die deutsche Fassung von EuroComRom und für alle Adaptationen CDs erschienen, die das Hörverstehen der verwendeten Texte ermöglichen. Ebenso wurde 2005 die Reihe EuroComDigital gegründet, in der die drei Basiskurse in elektronischer Form erscheinen und Präsentationsmaterialien für Lehrende und Trainer.

EuroCom-online

Unter der Leitung von Horst G. Klein (Frankfurt) und Dorothea Rutke (München) sind im Internet eine Reihe von rezeptiven Sprachkur-sen entstanden, die es dem Nutzer es er-möglichen sollen, Lese- und Hörverstehen in romanischen Sprachen zu erwerben. Das erste Projekt in diesem Rahmen wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert (2002-2005) und betrifft die Sprachen Italienisch, Spanisch und Rumänisch. Weitere Sprachen sind in Vorbereitung sowie Projekte für andere europäische Ausgangssprachen.

Wissenschaftliche Reihe

Forschergruppe EuroCom hat eine wissenschaftliche Reihe gegründet (Editiones EuroCom , Shaker Verlag), im Rahmen derer die Forschungsergebnisse publiziert werden. In der Zwischenzeit (Stand Anfang 2005) sind 26 Bände in der Reihe erschienen.



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Wissenschaftliche Kongresse

Der erste wissenschaftliche Kongress, der das Thema EuroCom zum Leitthema machte, war das 35. Linguistische Kolloquium an der Universität Innsbruck (20.-22.September 2000).
Mit Unterstützung der EU und in Zusam-menarbeit mit der FernUni Hagen organisierte die Forschergruppe EuroCom im Europäischen Sprachenjahr einen Internationalen Fach-kongress zur Europäischen Interkomprehension in Hagen (9-10.11.2001).
Im Januar 2005 findet an der TU Darmstadt die erste internationale Fachtagung zum Bereich von EuroComGerm statt.

Internationale Auszeichnungen

Die Forschergruppe wurde 1999 mit dem Europasiegel für innovative Sprachenprojekte ausgezeichnet.
Im Jahre 2003 erhielt die Forschergruppe EuroCom in Italien den Internationalen Preis für Mehrsprachigkeit am Mehrsprachigkeits-zentrum von Bozen für die italienische Adaptation von EuroCom.
Im Jahr 2000 wurde EuroCom eingetragenes und geschütztes Markenzeichen der Forscher-gruppe.

Ziele der internationalen Forscher-gruppe EuroCom®

Zusammenfassend ist es das Ziel der Forschergruppe EuroCom, einen qualitativen Sprung bei der Praxis Europäischer Mehr-sprachigkeit zu erreichen. Hierbei soll zunächst die Lesekompetenz in Sprachfamilien als modularer Einstieg genutzt werden, um durch Adaptationen ein europaweites Verbundnetz für Interkomprehension zu schaffen und die Ergebnisse interaktiv über CD und online im Internet einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen.
Sukzessiv werden parallele Materialien für die Gruppe der germanischen und slawischen Sprachen (EuroComGerm und EuroComSlav) erarbeitet. Ferner soll die Grundlagenforschung für den Übergang zu den Kompetenzstufen des Hörverstehens und der Sprechkompetenz vorangetrieben werden. Schließlich ist es das Ziel der Forschergruppe, didaktisch aufbereitete Lehrmaterialien für Schulen und berufliche Zielgruppen multimedial zu entwickeln.



Verfahrensweise der Methode EuroCom®

Die Methode EuroCom will den Europäern in realistischer Weise Mehrsprachigkeit ermög-lichen, d.h. zunächst rezeptive Kompetenz in einer Sprachengruppe durch interlinguale Lese- und Hörkompetenz vermitteln. EuroCom beweist dem Lerner, dass er durch die Kenntnis seiner Muttersprache und nur einer Brückensprache bereits unerwartet viel Kenntnisse mitbringt, um z.B. Nachrichten- oder Fachtexte in allen verwandten, aber noch nicht erlernten Sprachen in kürzester Zeit verstehen zu können. Weitere, über das Lese- und Höverstehen hinausgehende Kompetenzen lassen sich daraus höchst lernökonomisch und nach beruflichem Bedarf beschleunigt ent-wickeln.
EuroComRom vermittelt transferbasierte Erschließungsstrategien, um unter optimaler Nutzung der knappen, zum Sprachenlernen verfügbaren Zeit vielsprachige rezeptive Kompetenz der Europäer zu ermöglichen. EuroComRom schöpft mit den «sieben Sieben» aus den verwandten, aber dem Lerner angeblich unbekannten Sprachen so viel an Bekanntem heraus, dass die Beschränkung der sprachlichen Ausbildung der Europäer auf den traditionellen Einzelsprachenunterricht sich als unökonomisch erweist. Die Methode unterstützt dadurch den Erwerb einer allgemeinen Sprachlernkompetenz.

Erwünschte Nebenwirkungen der Methode EuroCom®

Als erwünschte Nebenwirkung wird dem Lerner durch EuroCom ein Stück Europäität vermittelt, die es ermöglicht, die kulturelle Vielfalt Europas in ihren Zusammenhängen zu begreifen und Profilhaftes zu erkennen. Die Methode fördert ferner ohne zusätzlichen Sprachlernaufwand das Verständnis und Kennenlernen der oft benachteiligten sogenannten kleineren und der Minderheitensprachen, die in ihrem Ver-breitungsgebiet meist Mehrheitssprachen sind, aber von staatlichen Zentralismen und künstlichen Wertigkeiten eines marché linguistique benachteiligt werden. EuroCom-Rom hat deshalb konsequent neben den großen Sprachen Französisch, Spanisch, Italienisch auch das Portugiesische, Katala-nische und Rumänische integriert und macht es möglich, auf dieser Basis auch Texte in anderen romanischen Sprachen zu verstehen, ohne einen separaten Spracherwerbsprozess einzuleiten. Dasselbe gilt für die slavische und die germanische Sprachengruppe.




© Prof. Dr. Horst G. Klein, Sprecher der Forschergruppe EuroCom