EuroComRom – Kompaktkurs

   
 

Was bedeutet panromanisch

Über den internationalen Wortschatz (IW) hinaus, an dem viele oder die meisten Sprachen (allerdings in unterschiedlicher Weise) partizipieren, verfügen Sprachfamilien über einen Wortschatz, der sie ganz spezifisch eint. Im Falle der romanischen Sprachen ist das der panromanische Wortschatz (PW). Er enthält die fast gänzlich aus dem Latein stammenden Wörter, die in allen oder den meisten romanischen Sprachen bis heute gebräuchlich sind.
In Bezug auf den IW ist die romanische Sprachfamilie die privilegierteste Sprachfamilie der Welt. Denn: ein sehr großer Anteil des IW stammt aus den romanischen Sprachen und dem Latein (vermutlich über 90 %). Damit überlappt der IW stärker mit dem sprachfamilienspezifischen Wortschatz als bei irgendeiner anderen Sprachfamilie. Das ist ein großer Vorteil für den Zugang zu den romanischen Sprachen von anderen Sprachfamilien her (z. B. vom Deutschen). Seine spezifische Bedeutung hat der PW für den Übergang von einer romanischen Sprache zu den anderen.
Das gesprochene Latein der Römer, meist "Vulgärlatein" genannt, breitete sich in einem vielsprachigen Imperium Romanum mit den römischen Legionen aus. Es kannte keine Akademieautorität oder Print-Media, die eine schriftsprachliche Norm pflegen und kon-trollieren konnten. Es glich sich somit an die sprachlichen Gewohnheiten der eroberten Völker an und veränderte sich regional. Auch viele neue Wörter traten hinzu. Dennoch gab es im Wortschatz einen großen Anteil, der allen Regionen des Imperiums gemeinsam war. Ein bedeutender Teil dieses Wortschatzes hat sich trotz der anderthalb Jahrtausende, die inzwischen vergangen sind, bis heute in allen romanischen Sprachen erhalten. Man nennt ihn panromanisch (gr.: pan- = "alle").
Für unsere praktischen Zwecke werden wir im folgenden als panromanisch auch noch die Wörter bezeichnen, die nicht in allen, aber in mindestens fünf romanischen Sprachen heute noch vorkommen.


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Beim panromanischen Wortschatz handelt es sich vornehmlich um Wörter, die zum Grundwortschatz und oft sogar zu den häufigsten in der jeweiligen Sprache gehören (was beim IW nur für einen kleineren Prozentsatz der Fall ist). Am wichtigsten ist aber der Vervielfachungseffekt quer durch die romanischen Sprachen: jedes Wort aus dem panromanischen Wortschatz, das man in einer Sprache kennt, kennt man gleich für eine ganze Reihe weiterer Sprachen mit. Man hat es hier mit einem lernökonomisch höchst wichtigen Effekt zu tun.
Kurz noch eine Bemerkung zur Zahl der romanischen Sprachen: traditionell rechnet man mit 9 (Rumänisch, Italienisch, Räto-romanisch, Sardisch, Französisch, Okzita-nisch, Katalanisch, Spanisch, Portugiesisch). Man müßte aber zumindest das Franko-provenzalische im Länderdreieck Italien (Val d'Aosta), Schweiz, Frankreich noch als 10. hinzurechnen. Doch könnte man die Zahl auch noch weiter erhöhen, da die Grenzen zwischen dialektaler Variante einer Sprache und eigenständiger Sprache nicht rein linguistisch zu entscheiden sind und letzten Endes vom politischen Willen der jeweiligen Sprach-(Dialekt-)gemeinschaft abhängen. Für EuroCom beschränken wir uns zwar aus rein praktischen Erwägungen auf die konventionelle Zahl 9, anderseits aber erlaubt unsere Methode jeder romanischen Sprachvariante, sich in einer Adaptation unseres Buches als eigenständige Sprachform in den Kreis der hier betrachteten romanischen Sprachen einzuordnen, wenn dazu die kulturelle oder politische Bereitschaft da ist. Dies könnte z. B. für das Galicische, das Korsische oder für neoromanische Kreolsprachen gelten.
Wenn im Folgenden von "allen" romanischen Sprachen die Rede ist, dann sind hier auch alle zum Sprachenstatus "Dialekt" tendierenden mitgemeint. Sonst geht es um die 9 konventionellen romanischen Sprachen.